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Ältestenrat des Landtags von Rheinland-Pfalz besucht Burkina Faso

Nachbarn in der einen Welt

Ouagadougou – Das westafrikanische Burkina-Faso ist Ziel einer Reise des Ältestenrats des rheinland-pfälzischen Landtags gewesen. Mit dabei war auch Ludwig Kuhn, Leiter der Diözesanstelle Weltkirche des Bistums Trier. Der Ältestenrat besuchte unter anderem mehrere kirchliche Projekte in dem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört.

Mehr Selbstbewusstsein für Frauen

Im Rahmen seiner Informationsfahrt nach Westafrika hat der Ältestenrat des rheinland-pfälzischen Landtags in Burkina Faso auch verschiedene kirchliche Projekte besucht. Ein Ziel war das Dorf Tambolo, das 120 km südlich von Ouagadougou liegt. Dort hat der Misereor-Partner PASMEP (Plate-forme d’Actions à la Sécurisation de Ménages Pastoraux) vor wenigen Jahren begonnen, Frauen beim Aufbau einer Minimolkerei zu fördern.

Die Minimolkerei wurde bei der Eröffnung der Misereor-Fastenaktion 2017 in Trier bei verschiedenen Veranstaltungen von den Projektverantwortlichen Fatimata Diallo und René Millogo anschaulich vorgestellt. Bei einem Besuch der Landtagsdelegation in der vergangenen Woche berichteten die Frauen vor Ort, was diese Initiative in der Dorfgemeinschaft verändert hat. Mit dem Erlös des Verkaufs von Milch und Joghurt in der 10 km entfernten Stadt Po können die beteiligten Frauen eigene Einnahmen erwirtschaften. Der Joghurt ist inzwischen bekannt und so kommen sogar Leute aus dem nahegelegenen Ghana, um ihn zu kaufen. Die Einkünfte setzen die Frauen für ihre Familie, besonders ihre Kinder ein. Sie können sie nun regelmäßig zum Schulunterricht schicken. Gingen vor dem Start des Projekts gerade 6 Kinder zur Grundschule sind es heute über 50. Und die Frauen selbst haben mit der Genossenschaft den entscheidenden Impuls erhalten, Lesen und Schreiben zu lernen und entsprechend selbstbewusst in der Dorfgemeinschaft wie gegenüber den Autoritäten aufzutreten. Dies haben die 14 Mitglieder des Ältestenrates des Landtags Rheinland-Pfalz und Innenminister Roger Lewentz bei ihrem Besuch in Tambolo eindrucksvoll erleben können. Ludwig Kuhn von der Diözesanstelle Weltkirche hatte den Besuch dieses Projekts von Frauen der besonders von der Vieh- und Wanderweidewirtschaft lebenden Volksgruppe der Peulh angeregt. Begleitet wurde die Gruppe auch von Faustin Adeye, dem Regionalbeauftragten von Misereor für Niger, Mali und Burkina Faso.

Besuch in einem der Flüchtlingslager

Für den Besuch in Ouagadougou war es Kardinal Phillipe Quédraogo, dem Erzbischof der Erzdiözese Ouagadougou, der seit kurzem Präsident der gesamtafrikanischen Bischofskonferenz ist, ein besonderes Anliegen, dass die Delegation auch Frauen und ihre Kinder in einem der Lager für Binnenflüchtlinge besucht. Kardinal Philippe Quédraogo selbst hat die Delegation um Landtagspräsident Henrik Hering in ein Lager am Rand von Ouagadougou geführt, in dem sich eine Mitarbeiterin der Erzdiözese um die Familien kümmert. Über 300.000 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, sind nach Anschlägen und Bedrohungen durch islamistische Terroristen im Norden Burkina Fasos geflohen, oft ganze Dorfgemeinschaften. Ein Anschlag, der inzwischen christliche wie muslimische Gebetsstätten und Schulen trifft, schürt die Angst, selbst Opfer zu werden, und löst so den Wegzug aus. Familien, nicht selten ganze Dorfgemeinschaft verlassen ihre Siedlungen im Norden des Landes, um in den Städten im Zentrum Aufnahme zu finden. Auslöser kann auch sein, so haben Partner berichtet, dass Islamisten mit ihren Waffen in eine Schule kommen und dem Lehrer ankündigen, wenn er am nächsten Tag nicht weg sei, würden sie ihn töten. So ist zuerst die Schule verwaist und später suchen auch die Dorfbewohner den Schutz für Ihre Kinder, indem sie in den Süden ziehen. So werden die Anstrengungen um die Verbesserung von Bildung als Grundlage von Zukunftsentwicklung bewusst zunichte gemacht.
Die Menschen in den von der Stadt, der Erzdiözese oder Familien angeboten Flüchtlingslagern sind auf das Nötigste angewiesen: Reis für das tägliche Essen, Kleidung, neue Wasserstellen und Brunnen, Schulklassen für ihre Kinder. Seit Herbst 2019 ist die Anzahl der Binnenflüchtlinge von ca. 250.000 Flüchtlingen auf ca 600.000 angestiegen. Für die Versorgung hat die internationale Gemeinschaft, wie auch die Bundesregierung Finanzmittel zur Verfügung gestellt, die durch die nationale Caritas mit Projektanträgen abgerufen werden können.
Das Engagement von Kardinal Quédraogo hat sehr beeindruckt. Es sei ein Zeugnis, so Landtagspräsident Hering, auf das man gerade in Zeiten schwieriger Kirchenerfahrungen stolz sein könne.

Das Anliegen der Reise der Abgeordneten war, so Landtagspräsident Hering, zu lernen. Eine gute Entwicklung in Europa weiterzuführen, könne nur gelingen, wenn auch eine gute Entwicklung für die Menschen in Afrika geschehe. Afrika und Europa seien in der Einen Welt Nachbarn. Wie diese Nachbarschaft zu einer guten Entwicklung beitragen könne, sei eine Aufgabe, die Verstehen und Begegnung sowie grundlegend ein gemeinsames Lernen als Basis brauche.

Weltkirchlich lernen und kooperieren

Die Diözesanstelle Weltkirche ist die Fachstelle für weltkirchliches Lernen und weltkirchliche Kooperation des Bistums Trier. Die Diözesanstelle Weltkirche sorgt mit dafür, dass weltkirchliche Mitverantwortung als eine Querschnittsaufgabe in den verschiedenen Lebens- und Verantwortungsbereichen der Trierer Ortskirche wahrgenommen wird. Sie unterstützt lokale Initiativen der Eine-Welt-Arbeit, des missionarischen Engagements und weltkirchlicher Partnerschaft in der Diözese; sie berät und fördert Verantwortliche auf Pfarrei-, Dekanats- und Bistumsebene und trägt Sorge für die Umsetzung der Aufgaben und Verpflichtungen des Bistums Trier in und für die Weltkirche. Einen besonderen Stellenwert hat dabei die Weiterentwicklung der Partnerschaft des Bistums Trier mit der Kirche Boliviens.

Die Diözesanstelle Weltkirche arbeitet mit den katholischen Hilfswerken zusammen und repräsentiert diese in der Diözese Trier.