23. Oktober 2016

Missio - Sonntag der Weltmission

"...denn sie werden Erbarmen finden" (Mt 5,7) - Leitwort der missio-Aktion zum Sonntag der Weltmission am 23. Oktober 2016.

Familien stark machen – Schwache vor Ausbeutung schützen

Die Familiensynode 2014 hat die Situationen von Familien, die gesellschaftliche Bedeutung wie die vielfältigen Lebenssituationen von Familien, die Brüche und Nöte in den Blick genommen. Der Austausch der Bischöfe hat gezeigt, dass die Realität von Familienleben weltweit von Gelingen und Scheitern durchzogen ist und vielfältige Formen des Zusammenlebens die Wirklichkeit der Menschen bestimmen. Besonders in den Ländern des Südens ist die Realität von Familienleben als Institution der sozialen Sicherheit herausgehoben und sowie ihre Bedrohung durch Armut und existentielle Not.
Während seines Besuchs auf den Philippinen im Januar 2015 betonte Papst Franziskus: „Die Familie ist der größte Schatz eines Landes. Arbeiten wir alle mit, um diesen Eckstein der Gesellschaft zu schützen und zu stärken.“ Das Päpstliche Missionswerk missio greift im außerordentlichen Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit mit der Fokussierung der Aktion zum Monat der Weltmission das Anliegen des Heiligen Vaters auf.

Familien als Anker der philippinischen Gesellschaft

Die Familie erfährt in der philippinischen Gesellschaft eine hohe Wertschätzung: Die Kinder werden in Großfamilien hineingeboren, oftmals wohnen mehrere Generationen unter einem Dach. – Der Staat betont in der Verfassung die „Heiligkeit des Familienlebens“ und verpflichtet sich, die Familie als eine Keimzelle der Gesellschaft zu stärken. Von staatlicher Seite werden der Familie Wohlfahrtspflichten auferlegt. Dies kommt zwar der kulturellen Verankerung des Familiengedankens entgegen, fordert Familien gleichzeitig aber besonders heraus. Denn Familie wird – deutlich stärker als in westlichen Ländern – als Keimzelle der Solidarität verstanden: Auf den Philippinen hält die Familie das soziale Sicherungsnetz bereit und wird damit in einem von relativer Instabilität und Krisenanfälligkeit geprägten Land zum Stützpfeiler der Gesellschaft. Ein solches Sozialsystem ist jedoch für einschneidende Wirtschaftskrisen nicht belastbar: Oftmals enden solche Krisen für viele Familien in der Armut.

Einen Lichtblick verspricht für viele Jüngere die Arbeit in den Großstädten des Landes. Jedoch birgt auch das urbane Lebensumfeld neue Risiken. Ohne Arbeit geraten sie rasch in eine Spirale des Elends, die sich oftmals durch Drogen weiter verschärft. Viele Familien sind vom Alkoholismus betroffen, immer mehr Kinder aus zerbrochenen Familien landen auf der Straße: Allein in der Hauptstadt Manila wird die Zahl der Straßenkinder auf 75.000 geschätzt. Damit verbunden ist aufgrund der großen räumlichen Entfernung eine Erosion der Großfamilien. Abgesehen von der wachsenden Differenz der Lebensstile zwischen ländlichen und städtischen Gebieten führen die in den Städten lebenden Familien mit wenigen Kindern zu zunehmenden Risiken von Einkommensausfall. Die Zahlen sind dramatisch: 15 Prozent aller Familien können sich nicht selbst mit Nahrungsmitteln versorgen. 3,8 Millionen Familien (und damit etwa 23 Millionen Menschen) sind von Hunger betroffen. Die Zahl der Filipinos, die sich nicht selbst ernähren können, hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als versechsfacht.

Im Kampf gegen Hunger und Armut verlassen zahlreiche Männer und Frauen ihre Familien, um eine Arbeit in den Ländern des Persischen Golfs anzunehmen. Zwar werden von den sogenannten OFWs – Overseas Filippino Workers – jährlich mehr als acht Milliarden Dollar an ihre Familien überwiesen, doch meist erwarten sie dort menschenunwürdige Bedingungen, zu der u.a. schlechte Arbeitsbedingungen oder die schlechte Behandlung durch die Arbeitgeber gehören. Hinzu kommen die Inkaufnahme der Distanz zur Familie und die Einsamkeit in der Fremde. Beobachter beschreiben die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Migranten aus den Philippinen in den Golfstaaten als „moderne Sklaverei“. Vor allem Frauen verlassen ihre Heimat, um als Dienstmädchen in reichen Ländern des Nahen Ostens und Asiens zu arbeiten – und werden dort oftmals ausgenutzt. Andere Philippiner heuern bei einer Reederei an und arbeiten als schlecht bezahlte Seeleute. Die harte Arbeit im Ausland nehmen viele Filippinos auf sich, weil sie ihren Familien in der Heimat eine bessere Lebensqualität und ihren Kindern Bildung ermöglichen wollen. Doch durch die Distanz leben sich viele Ehen und Familien auseinander oder zerbrechen. Der Wunsch nach materiellem Wohlstand wird zum Destabilisierungsfaktor für die Familie.

Rasantes Bevölkerungswachstum, Verstädterung, Wertewandel: Die Liste der Herausforderungen für Familien könnte weitergeführt werden.

Katholische Kirche als Anwalt der Familien

Um den Familien zu helfen, engagieren sich katholische Priester, Ordensleute und Laien auf den Philippinen für die wirtschaftliche Entwicklung und eine Überwindung der Armut. Die Kirche ist neben dem Staat die einzige Institution, die über eine weitreichende Struktur in dem traditionell katholischen Land verfügt. In diesem Zusammenhang prangerte die Kirche auf den Philippinen seit jeher auch Missstände an und wurde damit zum Anwalt für soziale Gerechtigkeit, sei es gegen Korruption, unrechtmäßigen Landerwerb oder ausnutzende Arbeitsbedingungen. In den 85 Diözesen und Apostolischen Vikariaten des Landes setzen sich neben den Mitarbeitern der Diözesen zahlreiche Ordensgemeinschaften und Laienorganisationen auf unterschiedliche Weise dafür ein, soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme zu thematisieren. In ihrem im Jahr 2014 veröffentlichten Fastenhirtenbrief „Armut, die entwürdigt – Armut, die heiligt“ wendeten sich die Bischöfe erneut gegen die wirtschaftliche Ausgrenzung weiter Teile der Bevölkerung und stellten sich an die Seite der in Not geratenen Familien. „Wir sprechen von der Kirche der Armen und meinen damit: Niemand ist so reich, dass er nicht empfangen kann; und niemand ist so arm, dass er nicht geben kann. Wir lassen die Armen zu uns sprechen; sie empfangen nicht nur Hilfe, sie evangelisieren auch“, sagt Weihbischof Broderick Pabillo.

Die Kirche auf den Philippinen unterhält heute zahlreiche Projekte, um die in Not gerate-nen Familien gegen die Armut zu unterstützen. Zugleich fördert sie – in den sich ändernden gesellschaftlichen und politischen Strukturen – mit ihren Projekten den Zusammenhalt und die Solidarität der Familien, indem sie ein besonderes Augenmerk auf die Würde der Menschen und die daraus entspringenden Rechte legt.

… zu einem Leben in Fülle. Das Engagement von missio-Partnern auf den Philippinen

Das beeindruckende soziale Engagement der Christen auf den Philippinen für Familien in Not hat viele Facetten: Es reicht vom Einsatz im PREDA-Projekt von P. Shay Cullen für Mädchen und Frauen in Not als auch für Jungen im Konflikt mit dem Gesetz über dem Einsatz von Sr. Cecille für Straßenkinder und obdachlose Familien sowie dem Aufbau Kleiner Christlicher Gemeinschaften bis hin zum interreligiösen Dialog- und Friedensengagement. missio stellt nun mit der Kampagne zum Sonntag der Weltmission 2016 das diakonisch geprägte Familienapostolat der Kirche auf den Philippinen vor:

Eines der Projekte für Familien ist die Arbeit von Sr. Cecille Ido OSB und den Missionsbenediktinerinnen. In Malate, einem ärmlichen Stadtteil von Manila, stranden viele Familien, die sich keine Unterkunft leisten können. Hier sind bereits viele Kinder obdachlos und kämpfen als Müllsammler oder Gelegenheitsarbeiter für sich und ihre Familien ums Überleben. Um diesen Familien beizustehen, hat Sr. Cecille Ido OSB mit Unterstützung von missio Aachen das Kriseninterventionszentrum „Tuluyan“ gegründet. In diesem Zentrum finden Kinder, Jugendliche und Familien, die auf der Straße leben, zunächst einmal eine sichere Unterkunft. Zusammen mit ihrer Kongregation und mit finanzieller Unterstützung von missio bietet Sr. Cecille für die Familienmitglieder unterschiedliche Therapieangebote an und vermittelt Ausbildungsstellen. Die Ordensschwester hilft den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien, eine Arbeitsstelle sowie eine reguläre Unterkunft zu finden.

missio fördert zudem seit vielen Jahren die Arbeit von PREDA, das von P. Shay Cullen gegründet wurde. PREDA hat der Ausbeutung von Mädchen und jungen Frauen, die Opfer von sexuellem - zum Teil kommerziellem - Missbrauch geworden sind, den Kampf angesagt. Die Initiative befreit sexuell ausgebeutete Mädchen aus den Bordellen. In Olongapo City errichtete PREDA ein Heim für missbrauchte Mädchen, das ihnen nach allen traumatischen Erfahrungen ein neues Zuhause geben soll und sie für die Rückkehr in ihre Familien – soweit möglich – vorbereitet.

Das Plakatbild zeigt die Familie des Krabben-Fischers Andy Esperas zusammen mit Schwester Celine Saplala OSB vor der provisorischen Hütte der Familie in einem Dorf an der Küste von Tacloban. Schwester Celine ist in ihrem Orden mitverantwortlich für das missio-Programm „St. Benedict’s Village“ zugunsten der Fischerfamilien. Die Missionsbenediktinerinnen betreuen obdachlose Familien, die 2013 durch den Taifun Haiyan (Yolanda) alles verloren haben und jetzt darauf warten, neue Häuser beziehen zu können. Das Programm der Schwestern zielt auf die Verbesserung der Wohnsituation, und auf gemeinschaftsbildende Maßnahmen, die die Menschen in die Lage versetzen, Eigeninitiative zu entwickeln.

  • Rückblick: Sonntag der Weltmission - 25. Oktober 2015

    „Verkündet sein Heil von Tag zu Tag“ (Ps 96,2) - Leitwort der missio-Aktion zum Sonntag der Weltmission am 25. Oktober 2015.

    „Verkündet sein Heil von Tag zu Tag“ (Ps 96,2) – unter diesem biblischen Leitwort stand die missio-Aktion zum Sonntag der Weltmission am 25. Oktober 2015.

    Fünfzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Verabschiedung des Missionsdekretes „Ad Gentes“ hat missio am Beispiel der pastoralen Arbeit der Kirche in Tansania erschlossen, was Mission heute bedeutet und was dadurch konkret bewirkt wird.

    Beispielhaft wurden vier pastorale Schwerpunkte der tansanischen Kirche vorgestellt: die Stärkung von Kleinen Christlichen Gemeinschaften, die Förderung des interreligiösen Dialogs, sozialpastorale Initiativen besonders für junge Menschen und Evangelisierung als Option für die Armen.
    Das Leitwort aus den Psalmen weitet den Blick auf die Aufgabe aller Christen, die Botschaft des Evangeliums in den jeweiligen Alltag der Menschen hinein zu konkretisieren.

  • Rückblick: Sonntag der Weltmission - 26. Oktober 2014

    „Euer Kummer wird sich in Freude verwandeln“ (Joh 16, 20b) - Leitwort zum Sonntag der Weltmission am 26. Oktober 2014

    Unter dem Leitwort „Euer Kummer wird sich in Freude verwandeln“ (Joh 16, 20b) lenkte missio zum Sonntag der Weltmission am 26. Oktober 2014 den Blick auf die Situation der Christen in Pakistan:
    Pakistans Christen sind mutige Menschen. Sie leben in einem schwierigen, widersprüchlichen Land. Soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit, religiöse Diskriminierung und Bedrängnis, fehlende Bildungsmöglichkeiten, Korruption und Angst vor Terroranschlägen prägen den Alltag. Gleichzeitig charakterisiert sie aber eine unbändige Freude am Glauben und ein ungebrochener Wille, aus ihrer Heimat ein besseres Land für alle Bürgerinnen und Bürger Pakistans zu machen. Sie engagieren sich im Gesundheitssystem, für Bildung, das Gespräch zwischen den Angehörigen der unterschiedlichen Religionen, Gerechtigkeit und Frieden.

    Der Leitspruch zum Monat und Sonntag der Weltmission 2014 bringt die Hoffnung und das Lebensgefühlt der katholischen Kirche in Pakistan auf den Punkt: „Euer Kummer wird sich in Freude verwandeln“ (Joh 16,20b).

  • F. Emmanuel Asi aus Pakistan als missio-Gast 2014 im Bistum Trier

    Im Oktober 2014 hat F. Emmanuel Asi aus Pakistan als missio-Gast das Bistum Trier besucht.
    Der diözesane Gottesdienst mit F. Emmanuel Asi und missio-Diözesandirektor Prälat Werner Rössel fand am Sonntag dem 12. Oktober 2014 in St. Matthias, Neuwied, statt.

  • Link-Tipps zum Weiterlesen:

    • Den missio-Blog zum Thema Religionsfreiheit finden Sie hier.
    • Die Fachzeitschrift "Forum-Weltkirche" berichtet regelmäßig über die Situation in Pakistan. Viele Artikel können Sie kostenlos online lesen unter: www.forum-weltkirche.de
    • Den missio-Länderbericht "Religionsfreiheit - Pakistan" finden Sie hier.